Services
93
Hs.-Nr. 11. Hof Weigenheim. Der Hof kommt urkundlich schon 1265 vor. In dem Hof wohnte der Ingenieur-Oberst Michael Anton Müller (gestorben
18. Februar 1772), in dessen Familie sein Enkel, der spätere preußische General Graf Gneisenau, erzogen wurde. Die Geschichte erzählt darüber: Im Jahre 1759, dem vierten des siebenjährigen Krieges, bezog die Reichsarmee Winterquartiere in den fränkischen Reichskreisen. Auch Würzburg wurde mit Garnison bedacht und zwar mit 8000 Mann der kursächsischen Armee, unter deren Offizieren sich der Artillerie-Leutnant Reithardt von Gneisenau durch äußere Vorzüge, durch seine ästhetischen Neigungen und seine künstlerische Begabung hervorgetan hat. Manch vornehmes Haus in Würzburg wurde dem Offizier geöffnet, darunter jenes Müllers. Die älteste der Töchter Müllers verlor ihr Herz an den jungen Gneisenau. Da Letzterer einer herabgekommenen adeligen Familie entstammte, vermögenslos und protestantisch war, opponierte die gut katholische Familie Müller gegen die von der Tochter beabsichtigte Verbindung. Mit dem elterlichen Fluch belastet, folgte die Tochter des Würzburger Oberstleutnants ihrem Geliebten ins Feld. Am 27. Oktober 1760 wurde der Gattin Gneisenaus in Schildau (Sachsen) ein Sohn geboren, der in der Taufe den Namen August Wilhelm Anton Reithardt erhielt. Nach dem Siege der preuß. Armee bei Torgau (3. Nov. 1760) mußte die Gattin Gneisenaus, den Säugling auf dem Arme, die Flucht der sächsischen Armee mitmachen, wobei der junge Gneisenau den Armen der erregten Mutter entglitt. Ein Grenadier hat den Säugling gefunden und geborgen und ihn am andern Tag wieder der Mutter zugeführt, welche bald darauf an den ausgestandenen Strapazen starb. Da Leutnant Gneisenau der Fahne folgen mußte, gab ei seinen Sprößling in Schildau in Pflege. Dort ist der Junge unter den einfachsten Verhältnissen bis zum 8. Jahre erzogen worden. Der Kleine, der vielfach Entbehrungen zu erdulden hatte und mehr Prügel als Brot erhielt, machte sich als Gänsehirt verdient. Das Wehegeschrei des von seinen Zieheltern oft unmenschlich mißhandelten Jungen hat das Herz eines benachbarten Schneiders derart gerührt, daß er sich eines Tages entschloß, über diese Dinge dem Großvater des Knaben in Würzburg in einem Briefe Bericht zu erstatten mit der Aufforderung, daß der Großvater seinen Enkel zu sich nehmen solle. Müller entsprach diesem Ansinnen, er ließ seinen Enkel in Schildau in einer Kutsche abholen und nach Würzburg bringen. Das war im Jahre 1767 oder 68. Über die nächsten Jahre des Aufenthalts Gneisenaus im Hause seines Großvaters sind wir nur mangelhaft unterrichtet. Nur das eine wissen wir bestimmt, daß ihn sein Großvater durch Jesuiten und Franziskaner erziehen ließ. 1772 erbte G. von seinem in Erfurt verstorbenen Vater, der dort Bauinspektor war, ein kleines Vermögen; er übersiedelte nach Erfurt, besuchte dort Gymnasium und Universität, wurde Offizier und brachte es zum preuß. Feldmarschall. Er starb am 24. August 1831 in Posen. Am Hause ist eine Gedenktafel mit der Inschrift: "In diesem, dem großväterlichen Hause, hat der Feldmarschall August Reithardt Graf von Gneisenau seine Knabenjahre verlebt. 1767-1773."
Hs.-Nr. 13. Hof zum kleinen Stern. Mit dem Wappen des Dompropstes Johann Gottfried von Aschhausen (1617-1622), wel


